FV Ingersheim

Der Fußballverein im schönen Neckartal

Interview mit Meistertrainer Thilo Koch

Donnerstag 28. Mai 2009

Am letzten Sonntag hat sich der FVI nach mehreren Anläufen endlich die Meisterschaft in der Bezirksliga gesichert und damit seiner Favoritenrolle gerecht geworden.  Wie haben Sie das Spiel gegen Marbach und die anschließende Meisterschaftsfeier mit Bierdusche und Neckarbad erlebt?
Die Anspannung vor dem Spiel war sehr hoch, dementsprechend nervös war die Mannschaft zu Beginn. Nach der roten Karte für Aytug hat die Mannschaft super reagiert und läuferisch sowie taktisch eine tolle Vorstellung geboten und dadurch die numerische Unterzahl mehr als wettgemacht. Der Führungstreffer von Völlm war ein Traumtor. Überragend war die Leistung von Macias, der wie schon in vielen Begegnungen zuvor das Spiel in der schwie-rigen Phase in die Hand genommen hat und seine Topleistung mit dem Treffer zum 2:0 krönte. Nach dem Spiel war die Stimmung wohltuend gelöst. Die Meisterfeier war lang und intensiv. Ich glaube die letzten sind gegen 3.30 Uhr gegangen. Eine wirklich gelungene und spontane Feier.

Sie haben das Ziel, den Landesligaaufstieg, ein Jahr früher erreicht als geplant. Das bedeutet den größten Erfolg in der 63jährigen Geschichte des Ingersheimer Fußballs. Was bedeutet dieser Aufstieg für Sie ganz persönlich.


Der Titel ist die sichtbare Bestätigung für unsere Arbeit. Wir haben offensichtlich vieles richtig gemacht. Die neuen Spieler, die wir vor dieser Saison holten haben gut eingeschlagen. Besonders Völlm hat die Erwartungen mehr als übertroffen. Schunger und Wagner haben unserer Abwehr mehr Stabilität gegeben. Unsere Bilanz der letzten drei Jahre ist insgesamt mehr als positiv. Und darauf bin ich stolz.

Ähnlich wie Klinsmann beim FC Bayern haben Sie nach ihrem Amtsantritt einige,  für Ingersheimer Verhältnisse gravierende Systemveränderungen vorgenommen. Anders als beim prominenten Kollegen hatten ihre Maßnahmen Erfolg. War der FVI wandlungsfähiger als Bayern?


Wir haben bei weitem nicht soviel geändert wie Klinsmann bei Bayern. Wir haben keine Buddhas auf das Dach gestellt und auch keine Wohlfühloase gebaut. Bevor ich nach Ingersheim kam hat man beim FVI „gekickt“ und dann geschaut was dabei rauskommt. Als ich kam haben der Verein und ich nur ein klares Ziel, den Aufstieg in die Landesliga, formuliert und dies konsequent verfolgt. Und dabei hatte ich völlig freie Hand. Ich habe den Spielern und dem Umfeld mehr Professionalität abverlangt. Leider haben nicht alle Spieler dieser Vorgabe folgen wollen oder können was zur Folge hatte, das sich das Gesicht der Mannschaft in den letzten beiden Jahren stark veränderte. Der Verein stand hin-ter jeder Entscheidung und wurde schneller als geplant mit dem Aufstieg belohnt.

Die erste Mannschaft in der Landesliga, die zweite „nur“ in der Kreisliga B, keine Jugendmannschaft höherklassig als die Leistungsstaffel! Was muss sich beim FVI strukturell ändern, um die Landesligazugehörigkeit langfristig zu sichern?


Der Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Kreisliga A war ja schon dieses Jahr als Ziel ausgegeben. Leider hat die Mann-schaft dieses selbst formulierte Ziel nicht so konsequent und professionell verfolgt wie es notwendig gewesen wäre. Wir haben den jungen Spielern, die vor zwei Jahren mit der A- Jugend in die Leistungsstaffel aufgestiegen und Pokalsieger geworden sind fast goldene Brücken in die erste Mannschaft gebaut. Leider ha-ben die Spieler aus verschiedenen Gründen diese Chance nicht genutzt. Mit Rolf Lange hat der Verein einen Trainer verpflichtet, der viel Erfahrung im Umgang mit jungen Spielern mitbringt und mit Druck umgehen kann. Wenn es ihm gelingt, eine gute zwi-schenmenschliche Basis zu den Spielern zu schaffen, dann kann er diese Mannschaft in die Kreisliga A bringen.

Der FVI hat von den drei erstplatzierten Mannschaften die wenigsten Tore geschossen. Hat er ein Stürmer- bzw.  Offensivproblem?


Wir haben zwar keinen Topstürmer, der eine überragende Quote aufweist. Dafür verteilen sich die Treffer bei uns auf mehrere Schultern. Mit Dürl und Wagner haben in dieser Saison nur 2 Spieler keinen Treffer erzielt. Und das macht es dem Gegner schwer, uns auszurechnen.

Wo sehen sie die Stärken bzw. Schwächen ihres Teams?


Stärken sind sicher der Teamgeist, die Homogenität, die spielerische und individuelle Klasse. Zudem verfügen wir über eine sehr gute Physis. Ein Verdienst von Jochen Neff, der seit der Rück-runde bei uns als Fitnesstrainer agiert. Aber auch mental waren wir sehr stark, nicht umsonst haben wir mehrmals einen Rück-stand noch aufgeholt und letztendlich die Partie noch gewonnen. Außerdem hat die Mannschaft die taktischen Vorgaben exzellent umgesetzt. Als Schwäche sehe ich dass es zwischen den einzel-nen Spielern noch taktische und technische Unterschiede gibt. Auch mit der Erfolgsquote bei den Standartsituationen war ich nicht zufrieden. Auch die Chancenverwertung war nicht optimal. Und dann hat die Mannschaft manchmal mit einer an Arroganz grenzender Lässigkeit agiert und nur soviel gezeigt, wie der je-weilige Gegner abverlangt hat. Aber das ist für Mannschaften, die so überlegen sind und über 20 Spiele ohne Niederlage bestreiten denke ich normal. Positiv in diesem Punkt war, das die Spieler nach Gegentoren immer wieder gut reagiert haben.

Mit Bregler, Pioch, Stahl und Weiß stehen 4 Neuzugänge bereits fest! Sind weitere Verpflichtungen geplant?


Bis jetzt ist noch nichts perfekt. Aber mit Horvath kehrt ein Langzeitverletzter wieder zurück, den man nach einem Jahr Pause durchaus als Neuzugang bezeichnen kann.

Welche Spieler werden den FVI verlassen?


Bis jetzt stehen nur Rothkopf und Lang fest. Rothkopf beendet seine Karriere wegen seiner Knieverletzung, Lang aus beruflichen Gründen. Rothkopf bleibt der Mannschaft aber als Betreuer erhalten.

Zum Schluss: Gestern gewann Barcelona gewonnen. Wann gewinnt der FVI die Champions League?


2039 !!!