FV Ingersheim

Der Fußballverein im schönen Neckartal

Ingersheimer Wurst-Affäre

Dienstag 27. September 2011

Artikel aus der Bietigheimer Zeitung vom 27.09.2011

Beim FV Ingersheim geht es um die Wurst. Wegen einer Äußerung des Stadionsprechers ist Metzgermeister und Sponsor Wolfgang Fritz nun sauer auf den Verein. Denn die kritisierte Stadionwurst stammte gar nicht von ihm.
Beim FV Ingersheim geht es um die Wurst. Eine witzig gemeinte Äußerung des Stadionsprechers hat den Hausmetzger des Vereins vergrätzt.

Foto: Archiv

Die Stadionwurst beim Fußballverein Ingersheim ist zum Politikum geworden. Grund ist eine kokette Äußerung von Adolf Schade via Mikrofon. Der Stadionsprecher hatte am Rande des Spiels zwischen der Fischerwörth-Elf und der TSG Öhringen (1:5) die Ingersheimer Rote als die beste der Landesliga angepriesen, dann aber nach der Verkostung seine Meinung revidiert und nur noch von der „zweitbesten Wurst“ geredet. Dafür empfahl Schade den Besuchern ein Viertele Wein.

Nach unserer Berichterstattung am Montag unter der Überschrift „Selbst die Stadionwurst ist nichts“ sei er von Kunden angesprochen worden, erzählt Wolfgang Fritz von der gleichnamigen Ingersheimer Metzgerei. „Das ist geschäftsschädigend und unter der Gürtellinie. So will ich das nicht stehen lassen“, empört sich der Hausmetzger des Vereins. Zumal er für die mickrigen Würstchen, die am Sonntag in Ingersheim serviert wurden, gar nichts konnte. Diese stammten noch von einem betriebsinternen Turnier eine Woche zuvor, bei dem der FVI die Bewirtung übernommen hatte. Dort waren von einem Autokonzern hergestellte und gelieferte Currywürste verkauft worden. Die übrigen Exemplare grillten Vereinsmitglieder dann frisch aufgetaut am Spieltag und verkauften sie auch als Rote im Brötchen. Typisch schwäbisch eben. „Wir wollten die Würste nicht wegwerfen“, sagt Kurt Frömmrich.

Der Klubchef hat durch die öffentliche Wurst-Affäre nun Ärger am Hals. Gleich am Montagmorgen erhielt er einen Anruf von Wolfgang Fritz, in dem dieser Dampf abließ. Im Gespräch mit unserer Zeitung zog der erboste Metzgermeister sogar rechtliche Schritte in Betracht.

Seine alteingesessene Metzgerei ist seit der Vereinsgründung 1946 der Haus- und Hoflieferant beim FV Ingersheim. Söhne und Enkel spielten und spielen im Fischerwörth. Fritz engagiert sich als Sponsor, hat eine Werbebande im Stadion und beliefert den Klub seit Jahrzehnten mit seinen berühmten Roten. Und jene genießen in der Region tatsächlich einen so guten Ruf, dass selbst Auswärtige in die Ingersheimer Marktstraße kommen, um bei dem Traditionsbetrieb einzukaufen.

„Unsere Roten sind die besten Würste der Landesliga. Das bestätigen immer wieder unsere Zuschauer und sogar auch unsere Gäste“, stellt Frömmrich fest und hofft, dass sich die Wogen bald wieder glätten. Der Fußball-Funktionär kann der delikaten Angelegenheit aber auch etwas Positives abgewinnen: „Es ist doch gut, wenn man gleich merkt, dass das nicht unsere guten Original-Roten-Würste waren, sondern eine andere Wurst von einem völlig anderen Hersteller.“
Andreas Eberle / Bietigheimer Zeitung