FV Ingersheim

Der Fußballverein im schönen Neckartal

Der spektakulärste Neuzugang

Mittwoch 27. August 2008

Von der Ober- in die Bezirksliga: Jose Macias spielt für den FV Ingersheim – Berufliche Gründe

Der FV Ingersheim ist Top-Favorit der diesjährigen Saison in der Fußball-Bezirksliga. Ein Grund dafür ist, dass mit Jose Macias der mit Abstand spektakulärste Neuzugang am Fischerwörth auflaufen wird.

Mit Jose Macias, hier im Dress des Oberligisten SGV Freiberg, bei dem der Mittelfeldspieler auch lange Kapitän war, hat Bezirksligist FV Ingersheim den spektakulärsten Neuzugang aller Liga-Vereine getätigt. Und zudem einen überaus aufstiegserfahreren Akteur an Land gezogen.

„Ich bin mir durchaus bewusst, das wir in jedem Spiel der Favorit sind, die Gegner entsprechend motiviert und ich als zentrale Position in unserem Spiel gesehen werde und körperlich wie verbal somit einiges zu erwarten habe. Aber darin liegt schließlich auch ein großer Reiz, mir ist dies nur noch mehr Ansporn, als Teil der Mannschaft mitzuhelfen, unser Ziel, den Aufstieg, umzusetzen“, sagt Jose Macias, der vom Oberligisten SGV Freiberg an den Fischerwörth wechselte und sowohl in dieser Saison als auch den letzten Jahren mit Abstand spektakulärster Neuzugang der gesamten Bezirksliga ist. Noch ein Kaliber größer war wohl nur Alfonso Garcia, der in der Saison 03/04 als Bundesligaspieler an den Bissinger Bruchwald zu 08 kam und zunächst als Spieler-Trainer fungierte.

Zuletzt spielte der 32-jährige Mittelfeldakteur Macias drei Jahre beim SGV Freiberg, davor ein Jahr beim Oberligisten SV Sandhausen. In den Spielzeiten 02/03 und 03/04 war Macias für die Amateure des VfB Stuttgart am Ball, im ersten Jahr Oberliga, im zweiten Regionalliga. Dabei war der VfB eine kurzfristige Entscheidung, eigentlich war der Weg zum damaligen Zweitligisten Hannover 96 bereits eingeschlagen.

Angefangen mit Fußball hat der in Ludwigsburg geborene Sohn spanischer Eltern bei den Bambinis der ESG Kornwestheim. Im B-Jugend-Alter wechselte er für zwei Jahre zum FV Salamander Kornwestheim. Nach dem ersten Jahr A-Jugend verabschiedete sich Macias für ein Jahr in die USA (Schulaustausch). „Als ich wieder zurück kam, wusste ich nicht so recht, wo ich fußballerisch stehe und hingehöre. Mit Holger Winkler war einer meiner Jugendtrainer mittlerweile bei den Aktiven des TSV Schwieberdingen Coach. Die spielten damals in der Kreisliga A, dort habe ich mein erstes Aktivenjahr verbracht.“

Mit dem TSV schaffte Macias den Durchmarsch in die Landesliga, spielte für Schwieberdingen bis zur Saison 97/98, ehe er zum damaligen Oberligisten Spvgg 07 Ludwigsburg wechselte. Nachdem er sich Ende 1999 im linken Knie einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, wechselte er nach Ablauf der Runde 99/00 erstmals zum SGV Freiberg, der damals unter Trainer Herbert Bentz in der Verbandsliga spielte und in dieser Saison den Aufstieg in die Oberliga schaffte.

Macias spielte ein weiteres Jahr für den SGV, lag hierbei auch in den letzten Zügen seines Sport-Marketing-Studiums. Dabei hatte er auch erste Kontakte zum Lehrstab des Württembergischen Fußball Verband (WFV) geknüpft. Im Jahr der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland veranstaltete Macias im Zusammenarbeit mit dem WFV und einer Eventagentur ein Streetsoccer-Turnier. Seit nunmehr knapp über einem Jahr arbeitet Macias hauptberuflich für den WFV, ist dort in der Abteilung Spielbetrieb tätig. Was aber ein Problem aufwarf.

„Wir sind unter anderem für die Ober-, Verbands- und Landesliga zuständig. Damit jeglicher Manipulationsverdacht ausgeschlossen werden kann, ich habe beispielsweise alle Oberligaschiedsrichter persönlich gekannt, hat mich mein Arbeitgeber gebeten, doch als Spieler aus dem Verbandsspielbetrieb auszuscheiden. Ich hätte sicher gerne noch das ein oder andere Jahr Oberliga gespielt, aber um der Sache willen gab es im Grunde keine Alternative. So bin ich letztlich zum FV Ingersheim gekommen, bei dem mit Thilo Koch einer meiner ehemaligen Trainer aus Schwieberdinger Zeiten Trainer ist und der sich auch schon im letzten Winter um mich bemüht hat“, erklärt Macias.

Beim WFV hat Macias ein Lieblingskind. „Ich versuche Futsal an den Mann zu bringen. Da sind wir in Deutschland gegenüber anderen Ländern noch weit hinterher. Aber die Hallenfußball-Traditionalisten bei uns sind schwer zu knacken.“

Den fußballerischen Kulturschock, den Abstieg gleich drei Ligen tiefer, hat Macias gut verkraftet. „Rennen und kämpfen können da auch alle, es gibt auch gute Einzelspieler. Und drei Mal die Woche trainieren muss ich auch in Ingersheim. Die Wege sind jetzt allerdings deutlich kürzer. Was sicher zum einen meine Frau freut, zum anderen werde ich, wie früher, vielleicht auch mal zum ein oder anderen Spiel mit dem Fahrrad fahren“, sagt der seit diesem Jahr in Asperg wohnende Macias (zuvor Kornwestheim).

In Asperg hat sich Macias gemeinsam mit seiner Frau Melanie (31 Jahre) – vier Jahre verheiratet, 13 zusammen – ein uraltes Haus gekauft, das nun seine große Leidenschaft ist. „Es wurde 1530 gebaut, dann haben es die Kelten niedergebrannt. Um 1600 wurde es wieder aufgebaut. Jetzt werkeln wir daran rum, das macht riesig Spaß.“ Für die Zukunft wären Kinder das i-Tüpfelchen in diesem neuen Heim, meint Macias. „Wir haben schon vor, eine richtige Familie zu werden, machen uns da aber keinen Stress.“

Den fußballerischen Druck gibts für Macias und sein neues Team erstmals heute (19.00 Uhr), mit dem Saisonauftaktspiel beim Aufsteiger und amtierenden Bezirkspokalsieger TSV Eltingen. Dabei haben die Eltinger zuletzt wieder aufhorchen lassen. Wie im letztjährigen Bezirkspokalendspiel, so besiegten sie auch in der diesjährigen ersten Runde Landesliga-Aufsteiger TSV Münchingen. „Ich denke, mehr Warnung für uns kann es nicht geben“, sagt Macias.

Dabei hat der erfahrene Ingersheimer Neuzugang beim eigenen Team Verbesserungspotenzial ausgemacht. „Wir sind sicher sehr gut aufgestellt. Aber es muss uns gelingen, noch mehr als Kollektiv zu arbeiten, den Ball ruhig in den eigenen Reihen laufen zu lassen, anstatt einfach riskant nach vorne zu spielen. Das ist sicher einer der gravierendsten Unterschiede der Spielklassen. In der Bezirksliga wird mehr individuell gelöst. Aber wir arbeiten daran, uns als Team zu verbessern.“ Persönliche Ziele im Ganzen hat Macias aber auch. „Ich war nie der große Goalgetter. Aber auf Grund meiner Historie wäre es tragisch, wenn ich nicht deutlich über zehn Tore in dieser Runde komme.“ Dabei wird Macias auf Grund seiner Erfahrung und Spielstärke sicher auch gefordert sein, dass ein oder andere so genannte ganz wichtige Tor zu erzielen. Vielleicht klappts ja bereits heute das erste Mal…

Bietigheimer Zeitung – Andreas Kleinert