FV Ingersheim

Der Fußballverein im schönen Neckartal

Bezirksliga:Titelentscheidung ist vertagt

Montag 4. Mai 2009

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Der Ingersheimer Torjäger Marino Tricario (rechts) tanzt hier den Renninger Schlussmann Sven Reichmann aus. Spvgg-Kapitän Christoph Schmitz (links) kann nicht mehr eingreifen. Foto: Andreas Gorr

Spitzenreiter FV Ingersheim verliert hitziges Bezirksliga-Spitzenspiel in Renningen mit 2:5
Die Meisterfrage in der Fußball-Bezirksliga ist noch nicht beantwortet: Der FV Ingersheim verlor das Topspiel bei der Spvgg Renningen mit 2:5 und versäumte es so, den Titelgewinn vorzeitig perfekt zu machen. 
Sieben Tore, hitzige Duelle, Provokationen, Ausschreitungen am Spielfeldrand, strittige Schiedsrichterentscheidungen und eine Rote Karte nach dem Abpfiff – im Gipfelduell zwischen dem Tabellenzweiten Spvgg Renningen und dem Tabellenersten FV Ingersheim war mehr Würze, als es einem lieb sein konnte. Manche Vorkommnisse während des Duells sprengten sogar den sportlichen Rahmen. „Das war ein nickeliges Spiel“, fasste Klaus-Joachim Gerlach zusammen. Dennoch freute sich der Renninger Coach über den Coup im Spitzenspiel. Denn durch den Sieg ist die Spvgg dem angepeilten zweiten Rang, der die Teilnahme an den Aufstiegsspielen ermöglicht, ein großes Stück näher gewonnen.

Dagegen mussten die Ingersheimer nach der zweiten Saisonniederlage ihre Meisterfeier um mindestens eine Woche verschieben. Nach wie vor benötigt der Spitzenreiter noch einen Zähler zum Titelgewinn. „Wir haben ja noch vier Chancen“, sagte Trainer Thilo Koch, der nun mit seiner Mannschaft am nächsten Sonntag die Meisterschaft endgültig nach Ingersheim holen möchte – vor heimischer Kulisse im Derby gegen Pleidelsheim.

Dabei sah es zunächst so aus, als ob der FVI bereits fünf Spieltage vor dem Saisonende den Sack zumachen würde. In der starken Ingersheimer Anfangsphase brachte Marino Tricario den Gast in Führung. Nach einem feinen Pass von Meric Aytug in die Spitze lupfte der Stürmer den Ball mit italienischer Eleganz über den aus seinem Tor geeilten Sven Reichmann und vollstreckte zum 1:0 (13.). „So habe ich mir das eigentlich nicht vorgestellt“, ließ Renningens Stadionsprecher Heinz Rexer bei der Verkündung des Tores die 250 Zuschauer wissen. Zehn Minuten später verhinderte Erkan Karaca gar das 0:2, indem er den Ball nach Marco Völlms Schuss aus spitzem Winkel kurz vor der Torlinie noch ins Aus beförderte. Glück hatte die Spvgg zudem, als Schiedsrichter Ayhan Keser bei einer Attacke von Alessandro Martone gegen Völlm im Strafraum keinen Elfmeter pfiff.

In der 29. Minute fühlten sich die Gäste erneut benachteiligt: FVI-Keeper Philipp Bürkle fing den Ball an der Torauslinie noch ab, um eine Ecke zu vermeiden, doch der Unparteiische hatte den Ball bereits im Aus gesehen. Eine Entscheidung mit Folgen: Die Ecke von Markus Wöhr köpfte der freistehende Genc Shuleta zum 1:1 ein.

Mit dem Ausgleich kippte die Partie. Fortan war die Souveränität beim Tabellenführer wie weggeblasen. Dafür bekamen die Renninger Oberwasser. Sie setzten kurz vor der Pause einen zweiten Nadelstich: Nach einem Foul von Haiko Eggert an seinem Renninger Gegenspieler im Mittelfeld ließ der Schiedsrichter Vorteil laufen, Wöhr passte auf Shuleta, und der traf mit einem Schuss ins lange Eck zum 2:1. „Von mir aus könnte es jetzt aus sein“, teilte Rexer nun über die Stadionlautsprecher mit, nichts davon ahnend, dass es für seinen Verein in Durchgang zwei noch besser kommen sollte.

Mit wütenden Angriffen begannen die Ingersheimer die zweite Hälfte. Ein Kopfball von Tricario verfehlte das Tor nur knapp. In die Drangphase der Gäste hinein fiel das 3:1. Nach einem Foul von José Macias an Wöhr gab es Strafstoß, den Karaca sicher verwandelte (56.). Chancen zum Anschlusstor hatten der früh für den verletzten Hasan Sert (Muskelfaserriss) eingewechselte Blerim Balaj und Tricario: Balaj schoss in aussichtsreicher Position seinen Mitspieler Ediz Uckan an; Tricario, der nach einem Konter Spvgg-Keeper Reichmann bereits ausgetrickst hatte, traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz. Besser machte es in der 68. Minute Robert Pavicic: Er veredelte eine Hereingabe des überragenden Shuleta mit dem 4:1. Kurz darauf musste die Partie nach Tumulten am Spielfeldrand (siehe Infokasten) für drei Minuten unterbrochen werden.

Die Atmosphäre auf und neben dem Spielfeld blieb bis zum Schluss giftig. Für die beiden letzten sportlichen Höhepunkte sorgten Aytug, der in der 82. Minute mit einem haltbaren Schuss das 2:4 erzielte, sowie praktisch im Gegenzug Wöhr. Der Renninger Stürmer scheiterte im ersten Versuch an Bürkle, der Nachschuss aber saß. Nach dem Schlusspfiff sah der Ingersheimer Tormann noch die Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung. „Er hat zu mir gesagt, was ich für einen Scheißdreck pfeife“, klärte Referee Keser auf Nachfrage auf. Nun droht Bürkle eine Sperre bis zum Saisonende.

„Ich schimpfe normal nicht über den Schiedsrichter, aber was der heute gepfiffen hat, war eklatant“, sagte Koch. Der Trainer des designierten Meisters war jedoch selbstkritisch genug, um nicht allein den Mann in Gelb zum Sündenbock zu stempeln. „Wir hätten unsere Chancen in den ersten 25 Minuten nutzen müssen. Darum sind wir selbst schuld.“ So sah es auch sein Renninger Amtskollege. „Der Schiedsrichter war nicht entscheidend für den Ausgang des Spiels“, erklärte Gerlach und konnte sich einen Seitenhieb auf den Gegner nicht verkneifen: „Die Ingersheimer haben sich keinen Gefallen damit getan, dauernd herumzudiskutieren.“

Statistik

Spvgg Renningen: Reichmann – Schmitz, Metzulat (80. Yilmaz), Demirci, Karaca – Immisch – Pavicic, Nemetz, Martone – Shuleta (74. Celik), Wöhr (85. Frank).

FV Ingersheim: Bürkle – Eggert (73. Seyhan), Schunger, Wagner – Aytug – Völlm, Macias, Aytug, Uckan – Schick – Sert (28. Balaj), Tricario.

Tore: 0:1 (13.) Tricario, 1:1 (29.), 2:1 (44.) Shuleta, 3:1 (56./Foulelfmeter) Karaca, 4:1 (68.) Pavicic, 4:2 (82.) Aytug, 5:2 (83.) Wöhr.

Besonders Vorkommnisse: Rote Karte für Bürkle (Ingersheim) nach dem Spiel wegen Schiedsrichterbeleidigung; dreiminütige Spielunterbrechung in der 69. Minute wegen Ausschreitungen am Spielfeldrand; Schiedsrichter: Ayhan Keser (Neuhengstett), Zuschauer: 250.